rabat-joie: momentaufnahmen

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Perlengrün
 

     Die Sonne stand schon tief; als Benedikt sich, an der Elbe entlang, auf den Heimweg begibt. Es war ein langer Tag an der Uni gewesen und er war ziemlich erschöpft, trotzdem setzte er sich ins weiche, vollgrüne Gras und lies die Wasserspiegelungen auf sich wirken. Nach einer kurzen Zeit nahm er seinen Skizzenblock aus seiner Tasche und fing an zu zeichnen. Es war schon in seiner Kindheit immer ein sehr beruhigendes Gefühl gewesen, wenn er irgendwo ungestört seine Zeichnungen anfertigen und seinen Gedanken freien Lauf lassen konnte. Dies hatte sich bis zum heutigen Tage nicht geändert und deshalb hatte er auch beschlossen Kunst zu studieren. Es hatte einigen Streit mit dem Vater gegeben, der immer wenn von Kunst die Rede war an die Decke sprang und sagte, dass man etwas solides machen sollte. Am Ende hatte sich Benedikt doch durchsetzen können und nun war er hier. Hamburg, eine Stadt, die ihn schon seit seinem sechszehnten Lebensjahr in ihren Bahn gezogen hatte. Das Leben hier ist teuer, aber jeden Cent wert. Hier gibt es alles, was sich Benedikt von einer Stadt wünscht: gut sortierte Plattenläden, Diskos, die nicht keinen Techno spielen, Konzerte und die nicht nur zweimal im Jahr, ... Dafür nimmt er sogar in Kauf, dass er sich am Ende jeden Monats nur noch von Brot und Wasser ernähren kann, weil sein Geld aufgebraucht ist.

     Benedikt hatte den letzten Strich gesetzt. Er war ziemlich zufrieden mit seiner Arbeit, denn er hatte die Lichtreflexe auf der Wasseroberfläche gut hinbekommen, so dass seine Zeichnung sehr lebendig wirkte. Er lächelte flüchtig, als er einen letzten Blick auf sein Werk warf und es dann in seiner Tasche verstaute. Es war 20 Uhr und er hatte noch einen langen weg bis zu seiner Einzimmerwohnung – er musste sich beeilen, wenn er noch aufräumen wollte bevor Miriam zu besuch kam.

     Miriam war die Beste, fand Benedikt, denn mit ihr konnte er sich über alles unterhalten, was allen anderen egal zu sein scheint. Benedikt hatte sie in einem Kunstseminar kennen gelernt, in dem sie neben ihm saß und sie gemeinsam anfingen über den Professor Witze zu reißen und Karikaturen von ihm anfertigten. Danach waren sie noch einen Kaffee trinken gegangen und sie spürten beide dieses tiefe Verständnis, dass in ihrer Beziehung vorherrschte. Benedikt konnte sich ein Leben ohne Miriam gar nicht mehr vorstellen und er verfluchte jeden Tag, an dem sie sich nicht sahen und über Dinge redeten, die sie störten oder bewegten. Sie hatten, aber auch oft Streit, da sie, trotz der vielen, sehr unterschiedliche Persönlichkeiten waren. Meistens ging es dabei um die großen philosophischen Fragen, zum Beispiel, ob nun die Band von Carl Bârat oder die von Pete Doherty, die bessere werden würde. Dies waren Fragen, bei denen es schon zu richtigen Handgemengen kommen konnte. Am nächsten Tag war dann aber wieder alles vergessen und sie alberten herum, als wäre nichts gewesen.

     „20 Uhr 30, ich werde es nicht mehr schaffen Ordnung zu machen“, sagte Benedikt halblaut zu sich selbst, als er die Wohnung betrat. Mit einer lässigen Fußbewegung lies er daraufhin die herumliegenden Klamotten unter dem Bett verschwinden. Benedikt war eigentlich ein zur Ordnung erzogener Mensch, aber wie es halt so läuft, wenn man seine erste eigene Wohnung hat, es bleibt halt einiges liegen.

     Die Zeit raste und die Spaghetti waren kaum durch, als es auch schon an der Tür klingelte. „Komm hoch!“, sagte Benedikt in die Gegensprechanlage und betätigte den Türöffner. Er eilte zurück in die Küche, um den Tisch zu decken. Er nahm die letzten zwei sauberen Teller aus dem Schrank und spülte noch schnell die Gläser. Plötzlich hörte er hinter sich ein spöttisches Lachen. „Hast du es wieder nicht geschafft das Geschirr abzuspülen?“, fragte Miriam und warf lächelnd ihr Haar zurück. Wie macht sie das bloß?, fragte sich Benedikt, sie sieht immer aus, wie einer Douglas- Werbung entsprungen. „Naja, aber diesmal waren wenigstens die Teller schon sauber“, antwortete er grinsend und schob ihr einen Stuhl zu recht. „Oh, vielen Dank. Da kann aus dir ja doch noch ein echter Kavalier werden.“, entgegnete Miriam mit einen verführerischen Lächeln.

            Sie setzten sich einander gegenüber und begannen zu essen. Miriam hatte einen Rotwein mitgebracht – sie musste bei jedem Essen einen Rotwein dazu trinken und wenn es nur Spaghetti waren. „Hast du schon gehört? Es sind in Paris wieder Autos in Flammen aufgegangen.“ Das war auch so ein Punkt, der Benedikt an seiner besten Freundin gefiel, sie war zu jeder Stunde tiefgründig und sei es bei einem gemütlichen Essen mit Freunden. Benedikt bejahte und fing, wie eigentlich jedes Mal, wenn so etwas passiert auf die Gesellschaft zu schimpfen. „In was für einer gewalttätigen Welt leben wir eigentlich? Denken diese Irren sie würden damit Probleme lösen, wenn sie anderer Leute Eigentum demolieren?“ Benedikt sank mit hochrotem Kopf in die Lehne seines Stuhles zurück. Bei solchen Themen konnte e sich richtig in Rage reden, wenn man ihn lies. Er schaute jetzt mit einem tief erschütterten Blick auf Miriam, die ihn aber nur mit einem überlegen Lächeln musterte. „Was gibt es denn daran bitte zu grinsen?“ fuhr er sie an, als eine Minute vergangen war, ohne dass sie etwas geantwortet hätte. „Nichts.“, schmunzelte Miriam, „es ist nur so, dass es immer wieder eine Freude ist dir zuzusehen. Wenn ich dir so etwas erzähle, dann fällst du immer gleich aus allen Wolken, als hätte es so was noch nie gegeben. Und dann schaust du mich aus deinen tiefen Hundeaugen an, als hättest du jetzt Angst das Haus zu verlassen.“ Ein Augenblick des Schweigens trat auf diese Worte hin ein, in dem Benedikt erst mal seine Gedanken zu ordnen versuchte. Nach einer Weile, als die Stille schon begann drückend zu werden, sagte er schließlich:“ Hast du denn keine Angst? Das ist nicht irgendwo am Arsch der Welt passiert, oder in einem Land, dessen Namen ich nicht einmal buchstabieren kann, sondern in Paris. Das ist keine tausend Kilometer von uns entfernt. Es sozusagen vor unserer Haustür geschehen.“ – „Jetzt mach aber mal einen Punkt. Ist es vielleicht weniger schlimm, wenn es in Brasilien oder Australien passiert? Nein! Also gibt es auch keinen Grund jetzt Zeder und Mordio zu schreien.“ Wieder trat vollkommene Stille ein. Miriam stand auf und stellte den Wasserkocher an, um sich Tee zu machen. Als sie sich wieder hingesetzt hatte, sagte Benedikt: „Ich meinte nicht, dass es schlimmer ist, wenn es hier in Europa passiert. Es ist egal wo oder wann so etwas geschieht! Die Bedrohung ist bloß jedes mal, wenn es passiert plötzlich viel präsenter. Ich will sagen, man geht jeden Tag auf die Straße, durch Einkaufsmeilen oder zur Uni und denkt gar nicht daran, dass einem etwas passieren könnte. Man lebt sozusagen in einer Scheinwelt und dann zeig der Teufel seine hässliche grinsende Fratze und steckt einem die Zunge heraus. Ich finde es beängstigend zu wissen, dass es so etwas, wie Sicherheit gar nicht geben kann, denn es kann dich überall treffen.“

Irdische Teufelei
 

     Sören war den ganzen Tag im Hort gewesen und wartete jetzt die letzte halbe Stunde sehnsüchtig darauf, dass er nach Hause gehen kann. Es gefiel ihm eigentlich im Hort, aber die Zeit, die er da verbringen musste wurde ihm nach 15Uhr wirklich zu lang, denn all seine Freunde durften 15Uhr nach Hause gehen und nur er musste noch diese halbe Stunde warten. Die Uhr tickte und Sören feuerte sie in Gedanken an, schneller zu ticken, doch irgendwie schien ihm dies nicht zu gelingen.

    Schließlich war es 25 und Sören stellte überrascht fest, dass seine Mutter draußen auf dem Schulhof stand. Sie trug eine rote Jacke, darunter eine blaue Bluse und einen schwarzen Rock. Sören verlies seinen Platz am Fenster und stürmte seiner Mutter entgegen. Sie strahlte ihm schon von weitem zu und nahm ihn in die Arme, als er sie erreicht hatte. Gemeinsam gingen sie zur Hortleiterin, um ihn abzumelden. Dabei sprachen sie die ganze Zeit kein einziges Wort, aber der kleine Sören strahlte, denn er freute sich, dass seine Mutter ihn vom Hort abholte. Seine Mutter sprach noch einige Worte mit der Hortleiterin und dann brachen sie auf. Sie gingen zu Fuß, denn ihr Heimweg war nicht sehr weit. Sören lief höchstens eine halbe Stunde und dies auch nur, wenn er sehr trödelte, weil er eine schlechte Note bekommen hatte.

    Als sie an dem grauen Geländer, an dem die Farbe schon begann abzublättern, vorbei zur Treppe gingen, auf der man das Schulgelände verlies, richtete Sörens Mutter die ersten Worte an ihren Sohn. „Sören“, sagte sie, „Ich habe dir doch von deinem Opa erzählt, der in Stuttgart wohnt, ja?“ Sören nickte. „Ja, Sören, dieser Opa ist jetzt oben bei den Engelchen.“ Sören nickte wieder zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Er hatte wohl bemerkt, dass sich die Stimme seiner Mutter immer trauriger angehört hatte, dennoch konnte er keinen richtigen Schmerz empfinden. Seinen Opa aus Stuttgart hatte er nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommen und daran konnte er sich kaum noch erinnern. Als seine Mutter ihre Stimme wieder im Griff hatte sprach sie weiter, „Sören, du bist doch schon ein großer Junge, oder? Glaubst du, dass du schaffst es uns zur Beerdingung nach Stuttgart zu begleiten?“ Sören nickte ein drittes Mal. Er wusste nicht mehr von einer Beerdingung, als den Satz: „Da nimmt man von dem Verstorbenen Abschied“. Er wusste nicht, was dieser Satz zu bedeuten hatte, aber er spürte, dass es seiner Mutter wichtig war, dass er mit nach Stuttgart fuhr.

 
 

Sie waren ziemlich lange gefahren. Knapp sieben Stunden. Sören war in einem neuen, kleinen, schwarzen Anzug mit einer Gummizugkrawatte eingekleidet wurden und so stand er zwischen seinen Eltern. Er fühlte sich unwohl. Er wusste nicht, was ihn in den nächsten Stunden erwarten würde und er war ziemlich verstört, wegen den ganzen Menschen. Sören konnte sich beim besten Willen nicht erinnern auch nur die Hälfte der Anwesenden je in seinem Leben gesehen zu haben.

    Plötzlich stand ein großer, schwarzgekleideter Mann vor ihnen. Er hatte ein längliches Gesicht, buschige schwarze Augenbrauen, unter denen wache braune Augen hervorsahen, der Mund war ziemlich klein und wurde von weichen roten Lippen begrenzt, seine Harre waren ebenfalls schwarz, kurzgeschnitten und hinten begannen sie sich allmählich zu lichten. Es war der Pfarrer, der den Trauergottesdienst halten sollte. Er sprach ihnen sein herzlichstes Beileid aus, strich Sören über den Kopf – im Glauben, dass er den meisten Trost brauchen würde – und bat sie anschließend in die kleine Kapelle, wo in wenigen Minuten die Trauerfeier beginnen sollte.

    Sören setzte sich zwischen seine Eltern auf die alte Holzbank. Er fand sie nicht gerade gemütlich, aber er spürte, dass Murren hier fehl am Platz gewesen wäre. Nach kurzer Zeit begannen seine Gedanken abzuschweifen. Er hatte im Fernsehen so einen neun Roboter gesehen, den er unbedingt haben wollte. Er beschloss seine Mutter auf der Rückfahrt danach zu befragen.

    Nach etwa einer dreiviertel Stunde wurde Sören von seinem Vater angestoßen. „Wir gehen jetzt noch mal am Sarg entlang, um dem Verstorbenem die letzte Ehre zu erweisen. Komm.“, sagte sein Vater und er stand auf. Alle Gäste hatten sich in einer Reihe aufgestellt und verabschiedeten sich von dem Totem. Als Sören an den Händen seiner Eltern vor dem Sarg stand, blickte er auf ein graues, fahles Gesicht, das sehr kalt schien. Allerdings sah sein verstorbenen Opa sonst recht schick aus. Er hatte einen Anzug an, sein grauen Schnurbart war ordentlich rasiert und er hatte einen friedlichen Ausdruck auf dem Gesicht. Sören hatte sich schon mit seinen Eltern zu gehen gewendet, als er sich noch einmal umblickte und sich fragte: Was wird eigentlich mit seiner Seele?

. . .


 
 

    Die Seele von Sörens verstorbenem Großvater, der nebenbei bemerkt Karl hieß, war unterdessen den Weg gegangen, den alle Seelen nach dem Tod gehen müssen. Das heißt er musste sich zum Jüngsten Gericht begeben, um seine guten mit seinen schlechten Taten aufwiegen zu lassen. Nun war Karl zu seinen Lebzeiten immer ein herzensguter Mensch gewesen und so fürchtete er nicht bei Gericht schlecht wegzukommen. Allerdings kommt es auch bei himmlischen Dienern vor, dass sie mal einen schlechten Tag erwünschen und so wurde die Karls Seele aufgrund eines Beamtenfehlers – der aber vollauf zu entschuldigen ist, da dieser Beamte schon zwei Stunden ohne Pausen arbeitete. (reine Folter) – in die Hölle gewiesen. Karl war aber nie ein Kind von Traurigkeit gewesen und hatte noch niemals, auch in den schlimmsten Jahren, die er erlebt hatte, sich über seine Situation beschwert. Er ließ einen leisen Seufzer hören und dann folgte er ohne Widerspruch dem himmlischen Liftboy. Als die Türen des Fahrstuhls, der ihn in die Hölle bringen sollte sich schon zu schließen begannen, sah er noch durch den Spalt zwischen den beiden Türen, wie sich der Beamte Kaffe aufsetzte und seine goldenen Löckchen um den Zeigefinger seiner rechten Hand drehte. Karls Seele schmunzelte, sagte „Na dann wollen wir mal sehen, wo uns dieser Lift hinführt“ und der Fahrstuhl setzte sich ratternd in Bewegung.

    Tiefer und tiefer fuhren sie herab und Karl wurde langsam ungeduldig. Er blickte sich im Fahrstuhl um und sein Blick fiel auf den Liftboy. Als er noch als lebender Mensch auf der Erde wandelte, war er ein sehr extrovertierter Typ gewesen, der mit jedem gleich per du war und mit jeglichem Gegenüber ein Gespräch anfangen konnte ohne ihn lange kennen zu müssen. Er räusperte sich und meldete sich verlegen zu Wort. „Und, ähm, wie lange machst du schon diesen Job?“, fragte er, aber sein Begleiter schien ihn gar nicht wahrzunehmen. Einen Moment wartete Karls Seele noch auf eine Antwort, doch als diese ausblieb ging er zu nächsten Frage über. „Interessierst du dich für Fußball? Ich wüsste gern, wer die letzte WM gewonnen hat? Ich bin leider zu früh gestorben, um das noch mit zu bekommen und dann all der Trubel im Gericht.“ Wieder blieb sein Gegenüber stumm. „Bist nicht gerade von der gesprächigen Sorte. Kommst du aus Skandinavien?“, fragte er grinsend, „ Ich habe gehört, dass die dort oben alle etwas zurückhaltender sind als weiter im Süden.“ Bei diesen Worte hätte er wenigstens ein Grinsen erwartet – unter seinen Freunden galt er immer als einer der witzigsten – aber noch immer ließ sich der Liftboy nicht anmerken, ob er ihn überhaupt hörte. Unverdrossen setzte die Seele von Sörens Großvater nach. „Jetzt habe ich’s! Manchmal bin ich auch zu blind. Es ist doch so offensichtlich! Tut mir leid, mein Freund, dass ich nicht eher darauf gekommen bin, aber jetzt ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Du warst zu Lebzeiten Wache vor dem Buckingham Palace, oder?“, fragte Karl schließlich mit erwartungsvollem Gesicht. Jetzt riss dem Engel endgültig der Geduldsfaden, noch nie in seiner Dienstzeit hatte er seine Beherrschung verloren, aber er hatte es in seiner ganzen Dienstzeit auch noch nie mit einem so nervigen Begleiter zu tun gehabt. „Ich bin ein Engel!“, schrie er, „Ich bin nicht tot. Und wenn Sie die Freundlichkeit besitzen würden mich hier in Ruhe meine Pflicht ausüben zu lassen, dann wäre ich Ihnen sehr verbunden. Herzlichsten Dank!“ „Nur nicht so gereizt.“, dachte Karl „Selbst im Himmel gibt es in diesen Zeiten eine Gewähr für Höflichkeit“

     So verbrachten die Seele und der Egel den restlichen Teil ihres Anstiegs schweigend. Karl hatte schon seit längerem bemerkt, dass es immer wärmer zu werden schien. Immer wieder fuhr seine Hand zu seinem Kragen und er lockerte mit seinen Fingern die Krawatte. „Ob, ich ihn fragen kann, ob es hier eine Krawattenpflicht gibt“, fragte sich die Seele von Sörens Großvater mit einem Seitenblick auf seinen Begleiter. Er lies einen leisen Seufzer hören, lockerte sich die Krawatte noch ein wenig mehr und vertrieb die Frage aus seinen Gedanken.

     Schaukelnd kam der Fahrstuhl zum Stehen. Die Türen bewegten sich langsam auseinander und ein rötlicher Lichtschein drang langsam in das Innere der Kabine. Als die Türen endgültig geöffnet waren, blickte Karl auf eine Art See, der mit flüssigem Gestein gefüllt schien und sich in der Mitte eines höhlenartigen Gewölbes befand. Der Engel machte keinerlei Anzeichen einer Bewegung und so trat Karls Seele allein in die Hölle. „Noch einen netten Arbeitstag!“, rief er in die sich schließenden Anzugstüren „War nett dich kennen zu lernen.“ Karl wandte sich um. Ein kleiner geflügelter Dämon mit einem hämischen Gesicht schwirrte knapp über seinen Kopf hinweg, lachte frech und verschwand in der Dunkelheit. Er schaute sich weiter um, aber so weit er das einschätzen konnte, war außer ihm keiner in dieser Höhle. „Das muss so eine Art Eingangshalle sein“, sagte er sich, „Jetzt muss ich nur noch die Rezeption finden.“ Unentschlossen, in welche Richtung er sich wenden soll, schlug er schließlich die Richtung ein, in die der kleine Dämon entwischt war. Es war ziemlich düster. An den Wänden waren keine Fackeln oder sonst welche Beleuchtungsanlagen angebracht. Das rötliche Licht, das die ganze Umgebung erfüllte, schien aus dem Inneren des Gesteins hervor zu dringen. Nach kurzer Zeit kam Karl an eine Weggabelung. Ein kleines Schild aus vermodertem Holz zeigte an, dass der linke Weg „Zum Chef“ führe. Er musste an seinen ersten Arbeitsvertrag denken, den er in seiner Jugend abgeschlossen hatte. Daran hieß es: „Der Lehrling hat sich vor Dienstantritt persönlich beim Chef anzumelden!“ „Wenn das oben schon so war, dann wird das hier sicher nicht anders sein.“, dachte Karl und folgte ohne weiteres Zögern der linken Abzweigung.